Ortenauer Schlittenhunde Club

Crazy Dogs

Sportwanderngen

Hier geht es nicht um Spaziergänge oder kleine leichte Wanderungen, sondern um dogtrekking par excellence!

Wanderung zum Rotsteinpass 09.06.2023 „hiked from Patrick Weis and the Wildboys

Ich suche für mich und meine Hunde immer wieder neue Herausforderungen. Nachdem ich im letzten Jahr die Tour zum Säntis 2502 müNN erfolgreich und mit sehr viel Spaß meisterte, sollte es in diesem Jahr der Rotsteinpass 2124 müNN sein.
Unser Trip startete am Donnerstag den 08.06.2023 mit der 3-stündigen Wohnmobilanfahrt. Nach der Stellplatzzuteilung an der Talstation Ebenalp in Wasserauen ging es zuerst einmal mit den Hunden auf eine kleine Runde. Auch wenn die Witterungsbedingungen an diesem Abend nicht so gut waren, sorgten die Regenschauer für eine angenehme Abkühlung. Nach einem spärlichen Abendessen wurde dann der Rucksack für die Tour gepackt. Darin durfte reichlich Flüssigkeit und ein paar Snacks in Form von Würstchen und Käse für die Hunde nicht fehlen. Für mich selbst wurde Wasser angereichert mit vielen Mineralstoffe und Elektrolyten und ein paar Powerriegel, die noch sehr notwendig werden würden verstaut.
Letzte kleine Gassi Runde, Wecker gestellt und dann ab ins Bett.
Nach kurzer Nacht klingelte um 4:20 Uhr der Wecker und sofort startete ich mit den letzten Aufbruchsvorbereitungen. Dabei durfte das Startergetränk, welches ich sehr zügig zu mir nahm, nicht fehlen. Rucksack geschultert, die beiden Wildboys „Buuh“ und „Yoshi“ an den Bauchgurt geklippst starteten wir um kurz nach 1/2 5 Uhr.
Da es schon dämmerte konnte heute auf die Stirnlampe verzichtet werden.
Kaum gestartet mussten wir an einer Herde Kühe vorbei, die zum Glück noch schliefen. Auf den ersten 1,4 km durch den Wald hoch zu den Almen absolvierten wir bereits 320 hm. Die nächsten 540 hm wurden auf den nächsten 1,8 km über Wiesen und den Wald Bogarten bis zur Bogartenlücke gemeistert. Auf diesem Teilstück hat man sehr guten Blick zum Säntis, und es waren dort deutlich mehr und größere Schneefelder zu sehen als im letzten Jahr. Schneefelder sollten im weiteren Verlauf der Wanderung noch zu einer besonderen Herausforderung werden.
Von der Bogartenlücke ging es dann erstmal einen wunderschönen Zickzack Weg die nächsten 1,4 km 400 hm bergab, um im Anschluss auf den nächsten 600 Metern wieder  150 hm zu gewinnen. Am Berggasthof Bollenwees war dann ein erstes kurzes Päuschen geplant. Hier hieß es zu einem „Memorial an Yupeck“ kurz innehalten. Im Juni 2017 haben wir mit ihm an diesem Ort übernachtet.
An Kühen, nicht mehr schlafend, vorbei entlang am Fählensee folgten dann die nächsten 950 hm auf einer Strecke von 6 km. Bei der Fählenalm sagte wir kurz „Hallo“ und wanderten weiter Richtung Altmannsattel. Nun waren die ersten Schneefelder neben dem Weg zu sehen. Diese waren bereits deutlich weiter unten als im letzten Jahr am Santis. Km für km und hm für hm ging es immer weiter. Die Schneefelder wurden jetzt mehr und größer, und wir mussten das Erste überqueren. Knöcheltiefer, sulziger Schnee machten das Ganze nun anstrengender. Den beiden Wildboys gefiel es, Schnee unter den Pfoten zu haben und so wurde der Zug auf der Leine wieder kräftiger, so dass wir schnell über die ersten Schneefelder vorankamen.
Kurz vor dem Altmannsattel war die Schneedecke dann, bis auf ein paar Felsen, komplett geschlossen. Teilweise war der Schnee so tief, dass ich bis zu den Knien, einmal sogar bis zu Hüfte einsank. Es wurde sehr mühsam, 20 m laufen - 3 Minuten ausruhen usw. Hier bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr wollte. Sollte ich ggf. umkehren? Ein Blick auf die Karte zeigte, der Rückweg wäre deutlich länger als der Weg voran. Folglich ging es also weiter. Für die letzten 1,5 km und 200 hm brauchten wir 2 Stunden. Immer wieder Schnee, Felsen, Pause, Powerriegel, Schnee, Felsen, Pause, Powerriegel usw.
Endlich am höchsten Punkt 2375 müNN angekommen gönnten wir uns erst mal eine 1/2 Std Pause. Durchschnaufen und die grandiose Aussicht genießen so saßen ich mit den beiden Wildboys gemeinsam im Schnee.
Dann mussten wir weiter, da wir laut Zeitplan bereits 1 Stunde zurücklagen, aber das war nicht ausschlaggebend. Das nächste Teilstück sollte nicht unbedingt einfacher werden. Laut Info des Wirts vom Rotstein Gasthof wäre dieses zwar schneefrei, aber hier sei klettern angesagt. Solche „Kletterpassagen“ hatten wir schon hin und wieder gemeistert. Nochmals ein kleines Schneefeld queren, dann ging es in die Felsen.
Nun erwarteten uns in Fels gehauene Stufen und Eisenbügel als Tritt. Ab und zu gab es mal ein Halteseil an der Felswand. Bei losem Geröll war freihändiges absteigen mit Zughunden nicht ganz einfach, aber meine beiden meisterten diese Situation herausragend. Dann kamen wir an eine Stelle mit einer senkrechte Wand in die lediglich ein paar Löcher in den Fels geschlagen waren. Zum Glück haben wir auch solche Situationen mit den Hunden geübt. Beide Hunde Kommando „Sitz“, ich die fünf Stufen runter auf die nächste Fläche ca 1qm. Hunde einzeln abrufen. Dieser Ablauf wurde dann 3-mal wiederholt. Kurz bevor wir auch dieses Teilstück meisterten, bemerkte zuerst Buuh und dann auch ich, dass wir verfolgt werden. Eine Herde Gämse schauten uns zu wie wir Stück für Stück nach unten klettern.
Endlich wieder festen Boden unter den Füßen/Pfoten sind wir beim Berggasthof Rotsteinpass angekommen. Um 13:00 Uhr war dann Mittagspause, dabei schmeckten die obligatorischen Röschti wieder hervorragend. Zusammen mit einer 1,5 l Flasche Wasser belief sich die Rechnung dann auch stolze 31,- Fr.
Gestärkt und ausgeruht machten wir uns dann auf den Weg zu Abstieg. Noch ein letztes großes Schneefeld galt es zu überwinden bevor uns nur noch grüne Wiesen erwateten. Immer bergab, die Hunde im Fuß oder hinten laufend ging es zügig voran. Bei ebenen oder leicht steigen Strecken waren die Hunde wieder im Zug und die durchschnittliche Geschwindigkeit stieg sofort an. Vorbei am Wildseeli, Meglisalm, Serpentinen ging es ins Tal zum Seealpsee. Hier wurden die Pfoten gekühlt und reichlich Wasser gesoffen. Vorbei an vielen Kühen, Almen und Touris dann der letzte Abstieg bis zu unserem Ausgangspunkt.
Nach 12 Stunden Bergzeit waren wir erschöpft aber happy und stolz am Wohnmobil angekommen.

Wegstrecke ca. 21 km, ⬆️2000 hm, ⬇️2000 hm 🔝2375 müNN

Diese war meine bisher größte Herausforderung. Ich bin glücklich und auch stolz, dass es das gesamte Team gesund gemeistert hat.
Die Wildboys Buuh und Yoshi meine beiden treuen Begleiter, auf die ich mich steht’s verlassen kann, haben aus meiner Sicht den besten Job gemacht.
Welche Herausforderungen im nächsten Jahr anstehen wird, warten wir es ab…

Meine Empfehlung an alle die, die solche Touren machen wollen:
Mensch und Hund sollten die entsprechenden Konditionen mitbringen.
Trittsicherheit bei Hund und Mensch, Schwindelfreiheit und keine Höhenangst sind unbedingte Voraussetzungen.
Grundkommandos wie Sitz, Platz und Hier müssen bei den Hunden zu 100% funktionieren.

Vertraue dir selbst, vertrauen deinem Hund dann vertraut dein Hund auch dir!

Patrick Weis